Montag, 17.08.2020

Fünf Jahre „Wel(l)come-In“ - heute mittendrin!

Fünf Jahre „Wel(l)come-In“ - heute mittendrin! von Inge Lux

Willkommenskultur? Als die katholische Gemeinde Vom Guten Hirten Anfang 2015  feststellte, dass sie zu sehr im „eigenen Saft“ schmorte, beschloss sie, zusammen mit den Schwestergemeinden Mater Dolorosa und der evangelischen Gemeinde eine Willkommenskultur für Neuzugezogene, für Aussenstehende zu entwickeln. Die heutigen
Projekt „Wel(l)come-In“: Im Sommer 2015 erreichte der große Flüchtlingsstrom auch Berlin und das Übergangslager Marienfelde. Ein Team vom Guten Hirten und Mater Dolorosa, Margret Wegner von „Laib & Seele“ aus  der evangelischen Gemeinde und der Caritas-Migrantenberatung gründeten das einladende Projekt „Wel(l)come-In“ mit offenen Treffen und Second-Hand-Tisch. Dass wir den frisch renovierten C-Raum in der Gemeinde Vom Guten Hirten nutzten, war nicht allen einsichtig. Viele folgten unserer Willkommenseinladung, allerdings kaum Geflüchtete. Es kamen Gemeindemitglieder, die bislang „unsichtbar“ im Außen waren, die schon lange darauf gewartet hatten, mitzutun. Eine Gemeinschaft entstand, und ab und zu wurden Geflüchtete liebevoll begrüßt und auch begleitet.
Erste Hilfe Deutsch: Im März 2016 stieß Angelika Padberg, eine ehemalige Lehrerin aus der St. Alfonsschule, dazu. (Foto) Sie sah, dass die Treffen allein kein Anreiz für die Geflüchteten waren. Sie wollten Deutsch lernen und sich integrieren! Ein erweitertes Team aus dem Pastoralen Raum, Ökumene und Kiez beschloss, von Montag bis Donnerstag von 10 – 11.30 in der Gemeinde „Erste Hilfe Deutsch“ in drei Leistungsgruppen anzubieten. Und nun strömten die geflüchteten........Männer! Die Frauen blieben zu Hause bei den Kindern.
Kinderbetreuung: Ein neues Team zur Kinderbetreuung während des Unterrichts unter der Leitung von Maria Araceli Marin wurde gegründet. (Foto)
Die St. Hildegardschule „stieg mit ins Boot“: Seit 2017 unterstützt die Schüler-AG „Kinderbetreuung“ uns zuverlässig an jedem Dienstag.
Bis zur Corona-Krise lief der Deutschkurs verbindlich und erfolgreich. Vielen Teilnehmer/innen konnte auch bei Behördengängen, Wohnungssuche und familiären Nöten geholfen werden. Aber wir blieben nicht allein!
2017  eröffnete BENN (BerlinEntwickeltNeueNachbarschaften) sein Büro neben der Mediathek in der Marienfelder Allee. Verbunden mit dem Quartiermanagement von W40 in der Waldsassener Straße wurden nun alle Marienfelder Initiativen vernetzt. Plötzlich hatten wir mit unserem Projekt Kontakt zum Übergangswohnheim, zum Eduard-Bernoth-Haus, wir lernten im Nachbarschaftsforum den Marienfelder Sportverein kennen. Die Mediathek wurde zum Netzwerkpartner, wie auch die Minigolfanlage und der Schwimmverein Friesen. Letzten Advent feierten wir im neuen „House of Fun“ am Tirschenreuther Ring, und mitten in der Coronazeit bildete sich dort der Bildungsverbund Marienfelde. Es ist wie im Wald,- da ist ein Mycel gewachsen und an manchen Orten schießen die Pilze aus der Erde.
Ein neuer „Pilz“ schuf sich 2018 Raum, als Margret Wegner mit BENN und dem Kirchenkreis Tempelhof  im Dorothee-Sölle-Haus das ökumenische Projekt „Was kochst denn du?-Gemeinsam kochen und essen“ gründete, bis zur Corona-Krise ein Selbstläufer. BENN lud zum Mittwochscafé für Frauen und zum Sprachcafé ein. W40 sammelt und veröffentlicht alle Marienfelder Angebote. Was für ein Service!
Das ist eine wunderbare Zusammenarbeit, und das Schönste ist, dass unsere Deutsch-Schüler/innen überall aktiv dabei sind. Da arbeiten selbstverständlich Muslim/innen, katholische und evangelische Christ/innen, Jesid/innen und Freidenker/innen, Frauen und Männer  zusammen. Es sind Friedensorte, die sich gegenseitig stärken. Rassismus, rechtsradikale Umtriebe, Benachteiligung von Frauen haben in diesem Netzwerk keinen Nährboden.

Wie geht es beim Projekt „Wel(l)come-In“ nach den Ferien weiter?
Dienstag, 18.08., 16-17.30 Spaziergang zum Kennenlernen/ Wiedersehen mit Treff auf dem Kirchplatz Vom Guten Hirten, Malteserstr.171
Montag und Dienstag, 24. und 25.08., 10 – 11.30 (ab da erst nur Montag, Dienstag)
Wiederbeginn von „Erste Hilfe Deutsch“ mit Kinderbetreuung draußen auf dem Kirchengelände. Bei Dauerregen fällt der Deutschkurs aus. Wir hoffen, dass wir uns bald wieder in Räumen treffen können.